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Abitur! …Und jetzt? – von Calbe nach Kampala

Beschreibe dich rückblickend als Fünftklässlerin neu am FSG Calbe?
Als ich mit 10 Jahren, 2018, auf das FSG Calbe kam, wirkte das Abitur, genau wie das Jahr 2026, endlos weit entfernt. Ich wollte damals unbedingt Tierärztin werden, um mir später ein eigenes Pferd zu finanzieren. Meine Noten waren mir sehr wichtig und oft zog ich meinen Durchschnitt meinem sozialen Umfeld vor. Ich dachte, umso besser meine Noten wären, umso mehr würden mich auch meine Mitschülerinnen und Mitschüler schätzen. Mein Blickfeld war mit 10 Jahren noch sehr auf mich selbst beschränkt.

Wie würdest Du dich jetzt mit dem Abitur in der Tasche beschreiben?
Jetzt bin ich 18 Jahre alt, habe das FSG Calbe zwar mittlerweile offiziell verlassen, aber doch nicht ganz hinter mir gelassen. Denn in den acht Jahren, die ich dort verbracht habe, lernte ich, welche Auswirkungen, was ich sage und wie ich handle auf mein Umfeld haben. Ich lernte, dass andere Menschen mich nicht nur nach meinen Leistungen bewerteten, sondern Fairness und Empathie wertschätzten. Mir wurde bewusst, dass sich die Welt nicht nur um mich und meine Schulnoten oder meinen Abschluss dreht, sondern dass ich Teil einer Gemeinschaft bin und meine Handlungen Auswirkungen auf diese Gemeinschaft haben. Jetzt möchte keine Tierärztin mehr werden und den Durchschnitt, den ich als Fünftklässlerin erreichen wollte, den habe ich auch nicht. Dafür wird mir jetzt, wo ich nicht mehr zur Schule gehen „muss“, bewusst, dass ich es eigentlich mag neue Fakten zu lernen und neue Erkenntnisse zu erlangen. Um meine Neugierde jetzt zu stillen, würde ich am liebsten jedes Buch der Welt lesen, jede Sprache lernen, alle Studiengänge absolvieren und jedes kleine Fleckchen Erde erkunden.

In die Zukunft geblickt, vielleicht so in 10 bis 15 Jahren, was erhoffst Du Dir erreicht zu haben?
Das kann ich gar nicht so leicht beantworten. Um ehrlich zu sein, habe ich noch gar kein exaktes Bild von mir in 10 Jahren. Es gibt viele Berufe, die ich spannend finde, viele Orte, an denen ich gerne leben würde. Jetzt ist noch nicht der Zeitpunkt, an dem ich mich auf einen Weg festlegen möchte.

Gab es bis heute wichtige Menschen, die dich in deiner Entwicklung bestärkt bzw. beeinflusst haben?
Am meisten hat mich natürlich meine Familie geprägt, sowie gestärkt. Zuhause war immer Platz für Diskurs und als jüngere Schwester lernte ich daher schnell für meine Meinung einzustehen, aber auch Fehler einzugestehen. Auch die Lehrerinnen und Lehrer des FSG haben ihren Teil zu meiner Entwicklung beigetragen, denn sie sind letztendlich die Personen, die eine Schülerin oder einen Schüler fordern und ihr oder ihm neue Ideen und Ansätze unterbreiten. Als Teenager verbringt man oft mehr Zeit des Tages mit seinen Lehrerinnen und Lehrern als mit seinen Eltern, daher trägt das Auftreten des Lehrkörpers erheblich zur Entwicklung jeder und jedes Einzelnen von uns bei. Auch Gespräche mit Bürgermeister Jörn Weinert und Bürgermeister Sven Hause, sowie mit dem aktuellen Landtagspräsidenten Dr. Gunnar Schellenberger, haben mich vor allem in meinem Mut und meinem Selbstbewusstsein gestärkt.

Blicke voraus, und plane, was Du von nun an versuchst zu verwirklichen.
Von nun an werde ich versuchen, den Schwung, den ich aus der Schulzeit mitnehmen konnte, nicht zu verlieren. Es fiel mir leicht an der Schule, die ich kenne, mutig zu sein und mich zu engagieren. Viel herausfordernder ist es, in der großen, weiten Welt mutig zu sein. Aber Engagement erfordert Mut und ich möchte mutig sein, um meinen Horizont zu erweitern und um keine Angst vor anderen Lebensrealitäten zu haben. Ich möchte lernen, wie bestimmte Missstände unserer Welt entstehen und was ich tun kann, um sie zu bekämpfen. Ich mag Fairness, wie jeder andere Mensch auch und ich möchte die Welt ein bisschen fairer machen, ohne dafür als naiv abgestempelt zu werden.

Beschreibe die Hoffnungen, die Du mit deinem Engagement verbindest.
Mein nächstes großes Projekt wird mein Internationaler Freiwilligendienst in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. 12 Monate tauche ich in das Leben dort ein und darf in einem Kindergarten mithelfen. Ich hoffe dort viel zu lernen und ganz viele neue Entdeckungen machen zu dürfen. Wichtig ist, dass wir uns vor Augen halten, dass wir in Deutschland nicht der Mittelpunkt der Welt sind. Auch Europa ist nicht der Mittelpunkt der Welt. “Westliche Standards” bedeuten für den Einen etwas ganz anderes als für den Nächsten. Wir können nicht festlegen, dass jeder Mensch der Welt Europa als Zentrum der Weltkarte ansieht. Genauso wenig, wie wir festlegen können, dass Länder, wie Uganda, Pakistan und Äthiopien als Entwicklungsländer bezeichnet werden, nur, weil sie andere Standards haben als wir. Deswegen leiste ich in Kampala auch keine “Entwicklungshilfe”, sondern nutze die Möglichkeit eines Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland. Es geht nicht darum, alles besser zu wissen und alles besser zu können, sondern um den kulturellen Austausch und den Ansatz: “Hallo, ich bin hier, um von euch zu lernen, wie ich helfen kann – jetzt oder in Zukunft.” Ich hoffe, dass ich durch diesen Freiwilligendienst ganz viel lernen und noch viel mehr neue Erfahrungen sammeln kann. Ich hoffe darauf, viele Menschen zu sensibilisieren und sie gegen Vorurteile zu immunisieren.
Natürlich müssen solche Projekte auch finanziert werden. In meinem Fall sieht die Organisation für Freiwilligendienste im Ausland einen Förderkreis vor, über welchen Spenden eingehen sollen. Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, also Lust haben mich zu sponsern, dann können Sie sich gerne via Email an mia.reinefeld@gmail.com bei mir melden.