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75 Jahre Grundgesetz

Wie ein Lehrer in Calbe kreativ die Werte des Grundgesetzes vermittelt

Das Grundgesetz wird 75 Jahre alt. Aus diesem Anlass hat sich Lehrer Stefan Lenhart am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Calbe (Saale) ein großes Projekt überlegt. Er erzählt, wie man das Grundgesetz für die Schülerinnen und Schüler spannend machen kann und wie man den Grundgesetz-Geburtstag ordentlich feiert.

  • Sozialkundelehrer Stefan Lenhart hat sich am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Calbe ein kursübergreifendes Projekt überlegt.
  • Das macht er nicht alleine: Seine Kolleginnen und Kollegen ziehen mit und bringen eigene Ideen für kreativen Unterricht über das Grundgesetz mit.
  • Zum Abschluss veranstaltet die Schule eine Grundgesetz-Party, zu der auch Landtagspräsident Gunnar Schellenberger kommen wird.

Es klingelt zur fünften Stunde am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Calbe, aber Sozialkundelehrer Stephan Lenhart hat gerade keinen Unterricht. Er geht auf den Pausenhof, um sich das neueste Kunstprojekt der achten Klassen anzusehen. An den Glaswänden des Schulhauses stehen schon neun der 19 Artikel des Grundgesetzes in großen Buchstaben geschrieben. Stephan Lenhart ist sichtlich stolz auf seine Schüler und darauf, was sie aus seiner Idee alles geschaffen haben.

Lehrer Stefan Lenhart im Klassenzimmer

Die Idee kam ihm beim Spazieren mit seinem Hund. Stefan Lenhart hat dabei die Nachrichten gelesen, so wie er es immer tut, um seinen Schülern aktuelle Fragen beantworten zu können. Dabei fand er einen Artikel darüber, dass in Nordrhein-Westfalen Grundgesetze an alle Schüler verteilt werden sollen. „Und da Sachsen-Anhalt so eine Aktion nicht gestartet hat, dachte ich mir, die können wir einfach alleine starten“, so Lenhart.

Er erinnert sich noch genau, wie das Grundgesetz zu seiner Schulzeit vermittelt wurde: „Ich war hier auch Schüler. Damals mussten wir das Grundgesetz wirklich durchkauen. Jedes einzelne Wort interpretieren. Ganz ehrlich: Wen interessiert es? Es geht darum, was sagt das Grundgesetz eigentlich aus?“ Stefan Lenhart hat es sich zur Mission gemacht, den Unterricht über das Grundgesetz spannender zu gestalten.

Von der Idee zur Praxis – so kreativ kann Unterricht sein

Gesagt, getan. Stephan Lenhart machte mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus der Idee ein kursübergreifendes Projekt in den Klassenstufen neun bis elf. Sie legen großen Wert auf einen praxisnahen und schülerzentrierten Unterricht.

Im Sozialkunde-Unterricht sollen die Schülerinnen und Schüler der elften Klassen eine Laudatio über das Grundgesetz aus der Sicht einer berühmten Persönlichkeit schreiben. Vom Fußballprofi Thomas Müller, über Felix Lobrecht bis hin zu Aristoteles ist hier alles dabei. So lernen sie nicht nur das Grundgesetz auswendig, wie ihre Lehrer früher, sondern lernen es zu verstehen und sich kreativ damit auseinanderzusetzen.

Auch im Kunstkurs findet das Grundgesetz Platz. Hier malen die Schülerinnen und Schüler die Artikel auf die Glaswände des Schulgebäudes. Stephan Lenhart bewundert, mit wie viel Präzision die Achtklässler ans Werk gehen.

Schriftzug "Auszüge aus dem Grungesetz" auf Glastür
Das Kunstprojekt der achten Klasse an der Glaswand der Schule mit Artikeln des Grundgesetzes. Bildrechte: MDR/Tim Magas

Evany Huckenbeck ist ebenfalls Lehrerin am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Calbe. Sie hat ihr Referendariat in der vorigen Woche beendet und unterrichtet die 10. Klasse in Sozialkunde. In ihrem Kurs arbeiten die Schülerinnen und Schüler an Karikaturen zum Thema nachhaltige Mode. Auch hier konnten sie das Grundgesetz einbringen. In Gruppen diskutierten sie, welche Artikel sie einbeziehen möchten. Eine Gruppe zeichnete eine Näherin, die den ganzen Tag für wenig Geld schuftet. Ihr gegenüber zeichneten sie eine Influencerin, die Billigkleidung bewirbt.Den Schülerinnen und Schülern ist es wichtig, dass das Thema Nachhaltigkeit in das Grundgesetz aufgenommen wird: „Vielleicht könnte man gucken, dass man länderübergreifend Kompromisse im Grundgesetz verankern kann und so die Produktion (von Fast Fashion) verbessern oder zurückschrauben kann“, sagt Schüler Niklas Wolter.

Lehrerin Evany Huckenbeck mit Schülern
Lehrerin Evany Huckenbeck mit ihren Schülern im Unterricht. Bildrechte: MDR/Tim Magas

Der krönende Abschluss: eine große Grungesetz-Fete!

Als Abschluss des Projekts sollen natürlich Grundgesetze an die Schülerinnen und Schüler verteilt werden. Dazu veranstaltet die Schule ein Fest auf dem Pausenhof. Es wird Brause in den Farben Schwarz, Rot und Gold geben (Cola, Himbeer- und Orangenbrause) und ein Bäcker steuert der Schule Brezeln bei. Dann werden die Grundgesetze von Landtagspräsident Gunnar Schellenberger ausgegeben. Der perfekte Abschluss für das Grundgesetzprojekt von Stephan Lenhart.

Er wünscht sich, dass diese Aktion Anklang in der Politik findet und noch mehr Grundgesetze an Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt und Deutschland verteilt werden. Er sagt: „In der Verfassung ist alles drin, was unser Leben beinhaltet. Das Tolle am Grundgesetz ist, dass es so allgemeingültig und selbstverständlich ist. Dass so viele Aspekte hier drinstehen, die für alle völlig normal sind. Andersherum muss man sagen, dass diese Selbstverständlichkeit auch dazu führt, dass man sich mit dem Grundgesetz fortlaufend auseinandersetzen muss“ – so wie es die Schülerinnen und Schüler in Calbe in den vergangenen Wochen getan haben.

Quelle: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/salzland/grundgesetz-geburtstag-calbe-schule-100.html

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Bericht im MDR-Fernsehen: Projekttag Rollstuhlsport der 9. Klassen

Auf Rollen unterwegs

Anstatt wie an einem gewöhnlichen Donnerstag in den Unterricht zu starten, hatte sich die 9C am 31. März vor der Sporthalle versammelt und wartete auf besondere Gäste.

Nachdem diese eingetroffen waren, teilte sich die aufgeregte Klasse sogleich in zwei Gruppen auf und während eine Gruppe sich nach draußen begab, blieb die andere in der Sporthalle. Bei dem erwarteten Besuch handelte es sich um drei hoch engagierte Personen vom Projekt „Bewegung verbindet-Rollstuhlsport macht Schule“, die der Neunten etwas über das Leben eines Rollstuhlfahrers, aber auch das Rollstuhlfahren selbst, ob im sportlichen Sinne oder im Alltag, beibringen wollten.

Für die erste Gruppe ging es dann auch sofort mit der Action los. In der Sporthalle standen mehrere Sportrollstühle mit angewinkelten Rädern, in die sich die Schüler auch sofort reinsetzen konnten, um sie auszuprobieren. Schnell stellten sie beim Slalom fest, dass es gar nicht so einfach war wie gedacht, mit diesen Rollstühlen um die Kegel zu fahren, ohne sie umzustürzen, doch nach einigen Spielen und Übungen kamen die Schüler sogar damit klar, rückwärts zu fahren und konnte Bälle mit etwas Bemühung im Rollen aufheben und an andere abgeben.

,Zeit für Basketball! In einem hitzigen Wettkampf traten zwei Teams gegeneinander an, kämpften um den Ball, rasten über das Feld, wichen den Gegnern aus, zielten schließlich und warfen mit all ihrer Kraft. Einige Male hörte man triumphierenden Jubel, nachdem der Korb tatsächlich getroffen wurde, doch dann war es Zeit zu tauschen.

Die andere Gruppe hatte sich nicht in Sportrollstühle, sondern in ganz gewöhnliche Alltagsrollstühle setzen dürfen und erfuhr von den Schwierigkeiten mit dem ein Rollstuhlfahrer rechnen konnte. Zumal war das schon einfach nur der Preis. Rollstühle sind nämlich teurer als die Schüler gedacht hatten, mit 5.000 Euro konnte man durchaus rechnen, doch auch enge Gänge, Treppen, Bordsteine, Steigungen und ein ungünstiger Untergrund machten es Rollstuhlfahrern oft alles andere als leicht. Dies lernte die 9C dann auch am eigenen Leib, als sie draußen um den Kreisverkehr, die Straße herunter und dann wieder hochfuhren. Schwitzend und durchgerüttelt kamen die Schüler wieder an und merkten an ihren schmerzenden Armen, dass das Rollstuhlfahren im Alltag sehr viel schwerer ist als in der Sporthalle.

Am Ende des Tages hatte die Klasse nicht nur Spaß, sondern außerdem Vieles gelernt und ein besseres Verständnis für die Situation der Rollstuhlfahrer erlangt.

Projekttag: Bewegung verbindet - Rollstuhlsport macht Schule

Quelle: MDR um 11 Do 31.03.2022 11:00Uhr 02:39 min

Zum Projekttag "Bewegung verbindet - Rollstuhlsport macht Schule" konnten die Schüler des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Calbe/Saale ihre Schulumgebung mit Alltagsrollstühlen erkunden. Christoph Pischel war vor Ort.